Übertherapie bei Prostatakrebs vermeiden

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 Übertherapie bei Prostatakrebs vermeiden

Die Therapie eines Prostatakarzinoms richtet sich vor allem nach seiner Ausdehnung, seiner Differenzierung und dem Alter des Ultraschall prostataPatienten.

Es wird berichtet (Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr in Heidelberg), dass um unnötige Belastungen für den Patienten durch eine „Übertherapie“ zu vermeiden, treffen die Urologen und Onkologen Entscheidung für die Behandlung der Patienten auf der Basis von Dauer der Lebenserwartung:

  • Beträgt die natürliche Lebenserwartung des Patienten mehr als 10 Jahre, sollten Früherkennung und Diagnose bis hin zur Biopsie gemacht werden. Hier wäre eine heilende Therapie möglich.
  • Liegt die Lebenserwartung bei zehn Jahren oder darunter, kann auf belastende Untersuchungen (z.B. Biopsie) und Therapie wie radikale Prostataektomie oder Bestrahlung verzichtet werden. Jede aktive Behandlung vermindert die Lebensqualität, hat Nebenwirkungen.

 Beim Auftreten von bedrohliche Beschwerden vor können sanftere Behandlungsmethoden angewendet werden. Radikale Therapien würden die Lebenserwartung kaum verlängern.
Durch den Befund  Krebs zu haben würde der Patient  unnötig verunsichert und beängstigt.

Besonders bei älteren Männern stellt sich die Frage:

  •  Möchte ich die restlichen Jahre noch möglichst unbeschwert leben, auch wenn ein Verzicht auf Diagnose und Behandlung mein Leben ein wenig verkürzen könnte?
  • Will ich meine Lebenszeit vollständig ausschöpfen, auch um den Preis von Einschränkungen der Lebensqualität?

Die Ärzte sollen die Patienten auf Konsequenzen einer Biopsie hingewiesen und ausdrücklich Einverständnis des Patienten verlangen.

Beim Tumorwachstum sollte man die Hormonbehandlung mit Pausen (intermittierend) durchführen, um die Krankheitsausbreitung möglichst lange auszudehnen. Die Hormone werden so lange gegeben, bis der PSA-Wert in den Minimalbereich absinkt.  Dann wird die Behandlung so lange eingestellt, bis der PSA wieder zu steigen beginnt und fortgeführt, bis er wieder absinkt. Diese intermittierende Hormonblockade verringert auch die Nebenwirkungen.

Eine Chemotherapie kann nur dann versucht werden, wenn die Hormonbehandlung keine Wirkung mehr zeigt. Die Chemotherapie hat bei einem relativ langsam wachsenden Prostatakrebs kaum eine Wirkung.

Eine mögliche, sanftere Behandlungsmethode ist hochintensiv fokussierter Ultraschall (HIFU), eine Methode die die Potenz und Blasenfunktion weitgehend erhalten lässt.

Eine noch schonendere Methode ist Abwarten und Beobachten – Watchful Waiting
Die Erkrankung wird erst dann behandelt, wenn sie Symptome verursacht, meistens nur  palliativ (begleitend), nicht mehr kurativ (heilend).
Es ist jedoch dabei wichtig  den PSA-Wert halbjährlich prüfen lassen.

Bei nicht aggressiven Tumor, bei Gleason Score bis 6 und nicht wachsendem PSA Wert ist es auch nicht notwendig eine aktive Behandlung zu starten, die die Lebensqualität deutlich verschlechtert.
 In Abständen von 3 bis 6 Monate sind Kontrolluntersuchungen durchzuführen, wie PSA, Ultraschall, Rektale Tastuntersuchung und auch die unangenehme aber notwendige Biopsie.
Die Methode nennt sich Aktive Überwachung, active surveillance
Nach S3-Leitlinien anwendbar bei PSA  bis 10 ng/ml, Gleason score bis 6, T1c-T2a. Kontrolle um die 2 Jahre lang, alle 3 Monate mittels PSA und Tastuntersuchung, bei stabilem PSA dann alle 6 Monate, Biopsie alle 12 bis 18  Monate.


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12 Kommentare

  1. Mein Mann hatte nach Chemo einen PSA-Wert von 1.03 – 3 Monate hielt der Erfolg an – jetzt liegt der PSA bei 67. 3Monatsspritze Leuprone und zusätzlich Bitaculamid. Seit 2 Monaten nimmt er Bitaculamid und die PSA Werte sind auf 4 auf 10 auf 67 innerhalb dieser Zeit gestiegen. Bitaculamid daraufhin abgesetzt. Was versagt denn hier? Die Spritze oder das Bitaculamid? Spritze gibts seit März 2016.Jetzt Rezept für Enzalutamid erhalten, aber noch nicht genommen. Besteht die Gefahr, dass durch Enzalutamid der PSA-Wert noch weiter steigt? Als nächstes ist eine PSMA-Therapie am UKM angedacht. Wie sollen wir uns verhalten? Urologe und Onkologe sind im Urlaub.

    • Hallo,
      es sieht so aus, dass bei Ihrem Mann das Prostatakarzinom inzwischen kastrationsresistent ist.
      Ich vermute, dass der Testosteronspiegel unter 0,5 ng/ml liegt (ein höherer Wert würde bedeuten, dass Leuprone nicht ausreichend wirkt).

      Ich würde Bicalutamid nicht mehr nehmen, die Leuprone weiterhin spritzen lassen.
      Sofort mit Enzalutamid anfangen, 160 mg am Tag, als Einzeldosis: 4 Kapsel.

      PSMA-Therapie wird erst sinnvoll sein, wenn Enzalutamid den PSA-Wert nicht senkt.

  2. Bei Prostatakrebs gibt es eine Reihe guter Behandlungs-Alternativen. In frühen Stadien z.B. kann man sich evtl. für active surveillance – die aktive Überwachung entscheiden. Entscheidungshilfe ob Operation oder Bestrahlung, bzw. aktive Überwachung vorzuzuiehen ist bietet dieser Artikel und die damit verlinkte Broschüre:

  3. Danke schön für die Anerkennungfür meine Seite.
    Ich interessiere mich für Informationen über Krebs, da ich selbe betroffen bin

  4. An der Charite betreute ich vor etwa 10 Jahren u.a. ein Studienprotokoll von Prof. Wiegelt, dass die Möglichkeit einer Übertherapie bei Prostatakrebs untersuchen sollte. Dabei sollte älteren Patienten mit einem nur gering agressiven Prostatakrebs in einem Frühstadium (festgestellt anhand TNM, PSA und Gleason – score) die Möglichkeit des sog. “watch-full waitings” als Alternative zur Strahlentherapie angeboten werden. Nach meiner Erfahrung von damals wollte keiner der Patienten lediglich kontrolliert werden. Vielen war der Gedanke einen evtl. wachsenden Tumor im Körper unbehandelt zu belassen so unangenehm, dass sie sich lieber zu Gunsten einer evtl. mit Nebenwirkungen verbundenen Behandlung entschieden hatten. Auch wenn das evtl. bedeutete eine unnötige Behandlung zu erhalten, da auch so ein normales Lebensalter bei guter Lebensqualität erreicht hätte werden können. Andererseits sollte auch erwähnt werden, dass zB über die Implantation von Goldmarkern in die Prostata diese für die Einstellung einer Bestrahlung sichtbar gemacht wird .So können sehr präzise Hochdosisbestrahlungen angewandt werden , bei denen nur noch wenig Sicherheitssaum im gesunden Gewebe (Darm, Blase) benötigt wird und die Prostata wird dennoch gut “getroffen”. Das bewirkt zum Einen eine bessere Tumorkontrolle (die Bestrahlungsdosis wird dabei dem Tumorrisiko angepasst) und ein geringeres Risiko für schwere Nebenwirkungen. praxis-margareten.at

    • Guten Tag Herr Doktor Kuczer.

      Ich habe eine Frage an Sie als Bestrahlung Spezialisten.
      Ich hatte vor einem Jahr einer Brustdrüsenbestrahlung bei Prostatakrebs gegen Gynäkomastie.
      Vor über 3 Monaten hat mein Urologe Trenantone Spritze abgesetzt und jetzt bekomme ich 150mg Bicalutamid täglich.

      Meine Brustwarzen sind jetzt sehr empfindlich, sogar schmerzhaft.
      Hat das mit der Brustdrüsenbestrahlung etwas zu tun, als Spätfolge?
      Kann ich gegen die Empfindlichkeit was tun?

      Mein Urologe kann mir keine Antwort geben und meinte “einen Bestrahlung Spezialisten fragen”.

      Für eine Antwort würde ich mich sehr freuen

      Viele Grüße
      Jacek Wojcik

  5. hallo und vielen Dank für die Antwort!

    Mir ist klar, dass letztendlich ich bestimmen muss ob ich eine Biopsie machen lasse.
    Ich habe mich lange mit dem Prof unterhalten, meine Frage war ja:
    Was ist nach der Biopsie? Wie geht es weiter? Wenn nichts gefunden wird, ok. Doch wenn?

    Noch was: der PCA 3 Test ist von 35 (2008) auf 52 (2012) gestiegen.

    Laut US Bild ist nichts zu sehen, nur der Tastbefund ist suspekt. Da habe ich aber auch eine Zweitmeinung, ebenfalls Prof, allerdings 1 Jahr alt:
    Nichts unternehmen, es ist nichts.

    Also wie verhalten? Die beiden widersprechen sich!
    Ich habe mir am nächsten Donnerstag, also vor dem Biopsietermin nochmals einen Termin bei dem Prof, der vor 1 Jahr nichts sah, geholt. Ich möchte seine jetzige Meinung hören.

    Denn was für Konsequenzen hätte ich?
    Bestrahlung, niemals! OP wäre, falls möglich, von mir akzeptiert.

    Die Nebenwirkungen wie Gynäkomastie, erektile Disfunktion macht mir nichts aus, das ist mir sowas von egal!
    Was ich fürchte ist eine Inkontinenz! Auf alles andere pfeife ich!
    Ich bin jetzt 75 Jahre alt, wenn ich noch 10-12 Jahre gut leben kann, das würde ich akzeptieren.

    Also, ich warte mal ab was der Prof am Donnerstag sagt, falls der auch meint Biopsio, so werde ich das machen. Es sind 14 Nadelungen vorgesehen.

    Hier ist meine grösste Sorge eine eventuelle Infektion. Ich werde zwar antibiotisch abgedeckt, aber wer weiss!

    Mir wurde ein Dämmerschlaf oder Narkose angeboten, ich bin nicht so für Dormicum und Propofol! Also ohne.
    Meinung dazu?

    Danke nochmal!
    Otto

    • Hallo,
      so wie sie schreiben, sie haben sich schon für die Biopsie entschieden. Mit 14 Nadeln haben Sie die Chance, die Prostata sehr genau zu untersuchen.
      Die Infektion kann eigentlich nur von Bakterien von Enddarm kommen. Vielleicht lässt sich schon von der Biopsie was unternehmen, um das zu verhindern (Darmreinigung? Spüllung?, …). Fragen Sie bitte den Prof bei Ihrem Termin und wenn Sie da ein Tipp bekommen, würde ich dankbar für diese Info. Antibiotika wirken nicht immer gegen Darmbakterien, einige sind resistent.

      Die Biopsie selbe ist unangenehm, aber nicht wirklich schmerzhaft. Ich habe sie auch überlebt ohne Infektion, nur mit blutigem Urin bis ca. 2 Wochen danach.

      Damit Sie nach einer eventuellen OP wenige Probleme mit Inkontinenz haben, üben Sie jetzt schon Ihren äußeren Schließmuskel.
      Hier finden Sie ein paar Übungen: Beckenbodentraining.

      Die OP Methode ist auch sehr wichtig. Bestehen Sie auf eine DaVinci Methode und einen erfahrenen Operator, da werden Sie schon nach kurzer Zeit wieder Kontinent (ich habe viele Männer befragt, wie sie operieren wurden, die mit DaVinci operierte hatten kaum Probleme).

      Ich wünsche Ihnen viel Glück
      Jacek

  6. Was tun?
    hallo,
    ich bin zum ersten Mal hier. Vielleicht passt meine Frage hier nicht, doch ich versuche es mal:
    Ich bin 75 Jahre alt, sehr gut in Form, trainiere 3x Woche im Fitnessstudio.
    Mein Urologe möchte eine Biopsie machen, im Ultrasschall sieht er nichts suspektes aber er meint etwas zu tasten, Kirschkerngrösse links. Vor allem wegen meinen PSA Werten. Diese sind:
    8.2001= 3,0
    11.2002=3,11
    5.2005=5,99
    8.2005=5,96
    6.2007=5,82
    10.2009=11,50 (vermutlich Laborfehler)
    11.2009=6,81
    5.2011=12,20
    8.2012=12,90
    5.2013=14,17
    8.2013=14,32

    Also, was tun? Mein Termin zur Biopsie wäre am 30.8.13!
    Für jede Hilfe oder Rat wäre ich dankbar!
    Vielen Dank!
    Otto

    • Hallo Otto,

      es freut mich, dass Du auf meiner Seite nach Hilfe suchst.
      Ich finde sehr gut, dass Du dich informierst, bevor Du Entscheidung über die Biopsie triefst.

      Deine Frage ist nicht einfach zu beantworten. Ich bin kein Arzt und ich darf Dir (nach Gesetzt) keine Empfehlung geben.
      Da ich aber selbe sehr viel Erfahrung und Wissen über Prostatakrebs habe, werde ich versuchen Dir ein Weg zu finden.
      Entscheiden musst du selbst.

      Fakten:
      Dein PSA-Wert ist zu hoch.
      Ursachen können viele sein, auch ein Tumor, oder auch Krebs ist möglich.

      Ohne Biopsie lässt sich nicht feststellen, was ist da drinnen in deiner Prostata.

      Dein PSA-Wert wächst nur langsam, aber nicht sehr langsam.
      Es kann schon Krebs sein, aber vermutlich nicht aggressiv und mit Sicherheit (ich würde schätzen 95%) hat keine Metastasen gebildet.

      Wenn Prostatakrebs die Kapsel verlässt, wächst der PSA meist sehr schnell.

      Bei mir war die Verdopplungszeit von PSA ca. 1 Monat.

      Bei Prostatakrebs ist gefährlich, wenn der Tumor aggressiv ist, mit Gleason Score ab 7.

      Im höheren Alter, über ca. 70 Jahre ist der Tumor-Wachstum meistens langsam; Sterben wird der Betroffene eher wegen einer anderen Erkrankung. Der Wert von Gleason Score liegt hier oft bei 6, seltener bei 7 oder 8.

      Nach S3-Leitlinien ist eine “Aktion” (Behandlung) notwendig, bei PSA Verdopplungszeit < 3 Jahre, oder Gleason score > 6.

      Du liegst an der Grenze, was auch eine Biopsie rechtfertigt.

      Gegenfakten:

      Eine Biopsie führt bei sehr vielen Patienten zu Komplikationen, besonders gefährlich sind Infektiöse Komplikationen bei Transrektaler Biopsie sein => Komplikationen

      Bei einer Biopsie werden Krebszellen nicht immer getroffen, was bedeutet, keine Sicherheit für die Ergebnisse.
      Die einzige wirklich gute Biopsie ist MRT-gestützte Biopsie, die muss man aber selbe Zahlen (ca. 1500 EUR).

      Wenn durch die Biopsie Krebs entdeckt wird, dann:
      bei Gleason Score von 6, abwarten, beobachten. Manchmal schon bei diesem Wert schicken die Ärzte zur OP.
      Ab Gleason Score 7 wird Urologe eine OP oder Bestrahlung empfehlen.

      Eine Biopsie erzeugt Angst und falls eine Behandlung laut Arzt “notwendig” wird, wird der Betroffenen nie mehr sein Leben so genießen können, wie vor der Biopsie.

      Jede Prostata Behandlung verursacht sehr starke Nebenwirkungen, die sofort (bei einer OP) oder auch nach ca. 2 Jahren (Bestrahlung) mit Sicherheit auftreten.
      Die Lebensqualität wird radikal abgebaut. Sportaktivitäten bleiben nur begrenzt möglich.

      Auf die Frage musst du selbe beantworten:
      Möchte ich die restlichen Jahre noch möglichst unbeschwert leben, auch wenn ein Verzicht auf Diagnose und Behandlung mein Leben ein wenig verkürzen könnte? Oder will ich meine Lebenszeit vollständig ausschöpfen, auch um den Preis von Einschränkungen der Lebensqualität?

      Ich weiß nicht, ob du Probleme mit Urinieren hast. Das ist manchmal auch ein Faktor, sich für Behandlung zu entscheiden.

      Für Vorbeugung von Prostatakrebs werden oft die 5-alpha-Reduktase Inhibitoren in Form von Tabletten eingesetzt (Finasterid und Dutasterid).
      Es könnte vielleicht die Lösung für dich sein?
      Sie vermindern das Risiko für die Diagnose eines Prostatakarzinoms um 20 – 25 % (Vorsicht! der gemessene PSA-Wert wird durch die Medikamente halbiert). Hauptnebenwirkungen können bei längerer Anwendung Erektionsprobleme, Nachlassen der Libido und Gynäkomastie (Brustwachstum) sein.
      Ich nehme Dutasterid regelmäßig ein, um Wachstum von meinem Tumor zu verlangsamen.

      Ich hoffe, meine Infos helfen dir.
      Viele Grüße,
      Jacek

  7. Nach 1 Jahr erhöhten PSA ca 13, – 3 -Quartalskontrollen – will Arzt Biopsie. Sind alle Mittel ohne Biopsie ausgeschöpft, bin beschwerdefrei in jeder Beziehung.

    • wenn PSA stabil bleibt, ist Biopsie nicht unbedingt notwendig. Die gibt aber eine Sicherheit, warum PSA erhöht ist.

      Bei Prostatakrebs, wenn Beschwärden kommen, ist der Tumor bereits(meistens) nicht mehr zum Heilen

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