Enzalutamid, Xtandi

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Enzalutamid, Xtandi, Wirkung bei Prostatakrebs, Erfahrungsberichte

Enzalutamid, Xtandi ist ein Androgenrezeptor-Signalinhibitor, ein neuer Androgen-Rezeptor Antagonist, der die etwa fünffache Wirkung von Bicalutamid hat. Wurde von Astellas und dem US-Biotechunternehmen Medivation entwickelt und unter dem Namen Xtandi® vermarkt.Enzalutamid Xtandi 40mg Tabletten

Enzalutamid hat drei Wirkungsphasen:

  • hemmt die Bindung von Androgenen an den Androgenrezeptor,
  • hemmt die Translokation (Verlagerung) des Androgenrezeptors in den Zellkern
  • hemmt die Bindung des Androgenrezeptors an die DNA.

 

Beim Eisatz von Xtandi bei einem mCRPC (metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom) erreichen 56% der Patienten einen PSA-Abfall um ≥ 90%
(Quelle: Lancet Oncol 2016; 17(2):153-163)

Laut Astellas konnte in den Zulassungsstudien gezeigt werden, dass Enzalutamide gegenüber Placebo zu einer statistisch signifikanten Verlängerung des Gesamtüberlebens führt, mit einer medianen Verbesserung von 4,8 Monaten. Die durchschnittliche Überlebenszeit war 18,4 Monate im Vergleich zu 13,6 Monaten bei Patienten, die Placebo erhielten. Zusätzlich wurde die PSA Stabilisierung im Blut von 3,0 Monaten auf 8,3 Monate verlängert.

Bei einer Behandlung mit Enzalutamid sollte  eine ADT (Androgenentzug, meist mit sog. LH-RH-Analoga) fortgeführt werden.
Wie Abirateron wurde Enzalutamid in klinischen Studien jeweils kombiniert mit einer ADT gegeben. Bislang gibt es noch keine Studie zum direkten Vergleich von Enzalutamid mit und ohne ADT.

Die jüngsten Ergebnisse der PREVAIL-Studie – ein Update der Überlebensanalyse – zeigen bei Patienten mit progressivem metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC) einen Überlebensvorteil von vier Monaten für Enzalutamid im Vergleich zu Placebo.
Die mediane Überlebenszeit unter Placebo betrug 31,3 Monate und 35,3 unter dem Enzalutamid.
Präsentiert wurden die Ergebnisse von Professor Bertrand Tombal aus Brüssel im Rahmen der 2015-EAU-Jahrestagung  in Madrid.

 

Enzalutamid eine Verlängerung des progressionsfreien Überlebens gegenüber Bicalutamid

Die Phase 2-Studie STRIVE (Ergebnisse publiziert im April 2014) hat bei einer Studienpopulation von Männern mit nicht metastasiertem oder metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakarzinom Enzalutamid mit Bicalutamid verglichen.
Die Studie erreichte ihren primären Endpunkt, indem sie für Enzalutamid im Vergleich zu Bicalutamid eine statistisch signifikante Verlängerung des progressionsfreien Überlebens (PFS) nachwies (Hazard Ratio = 0,24; 95% Konfidenzintervall, 0,18 0,32; p<0,0001).
Das mediane PFS betrug in der Enzalutamid-Gruppe 19,4 Monate im Vergleich zu 5,7 Monaten in der Bicalutamid-Gruppe, Verlängerung um 13,7 Monate

Xtandi oder Zytiga, was zuerst?

die Frage wird oft gestellt, eindeutige Studien gibt es noch nicht.
Es zeigen sich aber einige medizinische Hinweise (Infos von einem Seminar in September 2017 für Fortgeschrittenen Prostatakrebs), dass es besser ist zuerst mit Zytiga zu anfangen und erst danach mit Xtandi: angeblich diese Kombination wirkt länger bis sich Resistenzen bilden.

 

Das Krebsmittel Xtandi ist seit September 2012 in USA zugelassen.
Am 24.06 .2013
wurde auch in Europa zugelassen. => Enzalutamid, Xtandi in EU zugelassen

Die Zulassung gilt für Behandlung von Männern mit forteschreitenden metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebses während oder nach mindestens einem Zyklus von Docetaxel-basierten Chemotherapie.

Am 11.09.2014 hat die US Food and Drug Administration den Einsatz des Medikaments Xtandi (Enzalutamid) auf die Behandlung von Patienten erweitert, die noch keine Chemotherapie erhalten haben.
Studien zeigen, dass die mediane Zeit bis zum Beginn der Chemotherapie mit Xtandi um 17 Monate im Vergleich zum Placebo verzögert werden.

Am 02.Dezember.2014 hat die Firma Astellas gemeldet:

Die Europäische Kommission hat die Zulassung für Xtandi (Enzalutamid) für Männern mit metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakrebs (mCRPC) noch vor der Chemotherapie erteilt.

Hier der Artikel dazu: => Xtandi Zulassung

Es wird empfohlen, das Medikament auf die Behandlung von erwachsenen Männern mit metastasiertem kastrationsresistenten Prostatakrebs auszuweiten, die asymptomatisch oder leicht symptomatisch sind nach dem Versagen einer Androgenentzugstherapie, bei denen die Chemotherapie noch nicht klinisch indiziert ist.

21.11.2018 Die Europäische Kommission hat Enzalutamid (Xtandi™) zugelassen bei erwachsenen Männern mit nicht metastasiertem, kastrationsresistentem Hochrisiko-Prostatakarzinom (castration-resistant prostate cancer, CRPC). 

 

Der Preis für Xtandi (Enzalutamid), Kosten

wurde zum 1. Mai 2018 gesenkt.

In Deutschland kostete eine Packung mit 112 Weichkapseln zu je 40 mg Stück, bis Anfang 2018 Rund 4059,30 € (Stand November 2014).

Im Mai 2018 wurde der Preis gesenkt, seit dem 01.05.2018 kostet in Deutschland die Packung mit 112 Weichkapseln: Preis:  3518,42 Euro.

Das Medikament wird von den Krankenkassen bezahlt, so dass nur die 10 € Rezeptgebühren für Kassenpatienten fällig sind.

Seit dem 15.07.2018 gibt es auch Xtandi als Filmtabletten à 40 mg, die im Vergleich zur Weichkapsel kleineren und dadurch leicht zu schluckenden sind.
Preis für 112 Tabletten 3.518,43 für Privatrezept und 10€ für Kassenpatienten.

Über die Filmtabletten können Sie auch hier nachlesen: => Xtandi Filmtabletten

Angeblich sollen auch Xtandi 80 mg Filmtabletten zugelassen sein, im Blister mit 56  Tabletten.

Zudem bestünden mit etlichen Kassen Rabattvereinbarungen, wodurch sich, wie Astellas schreibt, “die Wirtschaftlichkeit weiter erhöht”.

Wie wird Xtandi eingenommen

Enzalutamid Xtandi ist als 40 mg Weichkapsel oder Filmtabletten verfügbar.
Die empfohlene Dosis beträgt 160 mg am Tag, oral als Einzeldosis (4 Kapsel, 4 Tabletten). Xtandi kann unabhängig vom Essen angenommen werden.

Eventuell auch 2 Filmtabletten mit 80 mg am Tag.

Die Filmtabletten sind kleiner als die Kapseln, so dass das Schluken der Tabletten leichter ist.
Die Größe von Weichkapseln mit Enzalutamid ist ca. 20 mm x 9 mm.

Die 40 mg Filmtabletten sind rund und haben die Größe von nur 10 mm.

Da die Halbwertszeit von Xtandi sehr lang ist, es ist eigentlich egal ob das Medikament morgens, mittags oder abends eingenommen wird.
Wichtig ist, dass die Einnahme jeden Tag in der gleicher Zeit erfolgt.

Halbwertszeit von Enzalutamid

Enzalutamid hat eine sehr lange Halbwertszeit. In der  Literatur werden 5,8 Tage genannt (2,8–10,2 Tage). Die Ausscheidung von Enzalutamid erfolgt vor allem über die Leber.
Die Zeit bis zum Erreichen der maximalen Konzentration im Blut dauert 1 bis 2 Stunden.
Die Wirkung auf die CYP-Enzyme kann ein Monat oder auch länger anhalten.
Wenn die Behandlung mit Enzalutamid beendet sein soll, es könnte eine schrittweise Dosisreduktion erforderlich sein.

Nebenwirkungen Xtandi

Als Nebenwirkungen treten Muskelkrämpfe auf (bei fünf der 800 Patienten), auch Hitzeschüben, Erschöpfung und Durchfall.
Die Patienten berichten über Rückenschmerzen und Übelkeit. Gegen Muskelkrämpfe solle die Einnahme von Magnesiumtabletten deutlich helfen.

Im Beipackzettel ist zusätzlich über folgende Nebenwirkungen zu lesen:

  • Sehr häufig (mehr als 1 Behandelter von 10): Müdigkeit, Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Bluthochdruck
  • Häufig (1 bis 10 Behandelte von 100): Stürze, Knochenbrüche, Angstgefühle, trockene Haut, Juckreiz, verminderte Konzentration, Vergesslichkeit und noch andere

Falls eine stärkere toxische Wirkung von Xtandi auftritt, oder eine Intoleranz, sollte die Behandlung für eine Woche unterbrochen bzw. erst dann fortgesetzt werden, wenn die toxischen Symptome deurlich zurückgegangen sind.
Danach solle mit der gleichen oder einer reduzierten Dosis versucht werden, zum Beispiel mit 120 mg oder 80 mg.

 

Folgende Fragen sind noch nicht geklärt:

  • macht es Sinn eine Kombination von Enzalutamid – Xtandi mit Abiraterone- Zytiga?
  • welche Reihenfolge am wirkungsvollsten ist?
    um die Überlebenszeiten der Betroffenen maximal verlängern zu können?

Aktuelle Daten (vom ASCO 2018) zeigen, dass die Kombination von beiden Medikamenten keine Verlängerung der Lebenszeit bewirkt, eher eine frühere Entstehung von Rezidiven.
Außerdem es sieht so aus, dass bei Kastration resistentem Prostatakrebs ist besser zuerst mit Abiraterone/Zytiga zu anfangen und erst danach auf Abiraterone zu umsteigen.

Daten zu Enzalutamid bei hormonnaiven PCa-Patienten

Bei dem  Kongress der EAU 2013, the European Association of Urology, wurde erstmals eine Phase-II-Studie präsentiert, die die Wirksamkeit und Sicherheit von Enzalutamid als Monotherapie bei Patienten (Testosteronspiegel ≥ 230 ng/dl) untersuchte, die noch nie eine Hormontherapie erhalten hatten.

Bei der Studie handelte es sich um eine 25-wöchige Open-Label-Studie. Eingeschlossen wurden PCa-Patienten aller Stadien, Lebenserwartung > 1 Jahr. Alle Patienten erhielten Enzalutamid 160 mg/d. Von den 67 eingeschlossen Patienten (mittleres Alter 73 Jahre) waren 39 % metastasiert, 36 % prostatektomiert und 24 % hatten eine Radiotherapie vor Studieneintritt.

Im Ergebnis zeigte sich eine PSA-Ansprechrate von 93 %. Serum-Testosteron- und Östrogenspiegel stiegen an. Die Knochendichte konnte erhalten werden und steht damit im Gegensatz zu einem Abfall durch LHRH-Agonisten. Die Körperfettmasse/magere Körpermasse erhöhte/reduzierte sich geringfügig. Die Veränderungen der Hormonspiegel und die meisten bekannten Nebenwirkungen (Gynäkomastie, Fatigue, „hot flush“) entsprachen jener wirksamer Androgenrezeptor-Inhibitoren.

Es wird geschätzt, dass zwischen 20% und 40% der Männer mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom auf Abirateron oder Enzalutamid nicht ansprechen. Und fast alle Patienten, die zunächst auf beide Präparate ansprechen, entwickeln im Laufe der Behandlung eine sekundäre Resistenz.

 

PROSPER-Studie: Enzalutamid ist wirksam bei nicht-metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom mit hohem Metastasierungsrisiko

Quelle: ASCO-GU 2018

Enzalutamid zeigte in der Studie eine hohe Wirksamkeit bei der Verlängerung des metastasenfreien Überlebens in der Patienten-Gruppe mit nicht-metastasiertem kastrationsresistentem Prostatakarzinom und hohem Metastasierungsrisiko.

Die Zeit bis zur PSA-Progression zeigte einen deutlichen Behandlungsvorteil der Enzalutamid-Patienten mit 37,2 Monaten gegenüber dem Placebo-Arm mit 3,9 Monaten,

  Ähnliches zeigt in der SPARTAN-Studie auch der neue Medikament Erleada, Wirkstoff Apalutamid. => Erleada

 

Xtandi Erfahrungen von Patienten (Ausgewählte)

  • Seid 9.2016 umstellung auf Xtandi das ich sehr gut vertrage. Nur hin und wieder müde und muskelschmerzen, die ich mit Valoron bekämpfe. So geht es mir recht gut und kann gut am täglichen leben teilhaben.
  • Mein Vater nahm 3 Monate lang an einer Enzalutamid-Studie vor der ersten Chemotherapie mit Docetaxel gegen sein Prostatakarzinom teil. Die Nebenwirkungen waren entsetzlich: Übelkeit, Gewichtsverlust, Fatigue. Auf den Wunsch des Patienten konnte die Studie beendet und die dringend notwendige Chemotherapie durchgeführt werden.
  • Unter Xtandi hat sich folgendes gebessert:
    – Metastase in der Leistengegend macht Gehschwierigkeiten, weniger ausgeprägt seit Einnahme von Xtandi
    – Abnahme der Rückenschmerzen

    Unter Xtandi haben sich folgende Nebenwirkungen eingestellt:
    – latente unterschwellige Übelkeit trotz Umstellung der Einnahme vor dem Abendessen,
    – Muskelkrämpfe (durch Einnahme von Magnesiumtabletten deutlich gebessert)
    – häufig unterbrochener Schlaf

  • Am 30 Juli begann ich, täglich mit 4 Kapseln Enzalutamid (‘Xtandi’), bisher ohne nennenswerte Nebenwirkungen. Mein PSA lag bei 8 ng/ml. Die Wirkung nach 9 Tagen: der PSA Wert ist auf 1.6 ng/ml gefallen

  • Unter Xtandi ist mein PSA-Wert auf ein halbes Prozent des Ausgangswertes gefallen.
    Eine MRT-Untersuchung hat keine Progression von Prostatakrebs gezeigt, allerdings auch keine
    Verkleinerung der mit Tumor befallenen Lymphknoten

  • Mein Partner bekommt seit sechs Monate Xtandi. Es geht ihm seither besser.
    Seine Blutwerte sind soweit in Ordnung. Er hat keine Nebenwirkungen.

  • Erste PSA Messung nach Beginn der Xtandi Einnahme nach 4Wochen, PSA ist von 7,31 auf 2,91 gefallen.
    Nach 4 Monaten das PSA scheint langsam wieder zu steigen , Nach 8 Monaten ist mein PSA bei 5,7 Nach 10 Monaten nach leider konstantem PSA-Anstieg unter Xtandi-Therapie wurde das Medikament bei PSA von 8,15 Abgesetzt

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27 Kommentare

  1. Roland Schröfl

    Warum ist mein Kommentar direkt nach dem Absenden verschwunden???

  2. Und nun Jacek,bin in der gleichen Situation mfg Simon

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