Provenge, Sipuleucel-T Impfung Prostatakarzinom

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Provenge, Sipuleucel-T   Impfung bei Prostatakarzinom

Das  Präparat Provenge (aktive Substanz Sipuleucel-T)  war am  Prostatakrebs Impfung17.09.2013 für die Behandlung von kastrationsresistenten Prostatakrebs in Europa zugelassen.

Die Zulassung für Europa wurde vom Hersteller selbst Mitte 2015 zurückgezogen.
Zusatznutzen (bei sehr hohen Kosten) im Vergleich zu anderen verfügbaren Therapien war nicht belegt.

Das Medikament wird aber in den USA noch weiter verwendet.

Sipuleucel-T (Provenge®) war (ist) zugelassen für die Behandlung von asymptomatischem oder minimal symptomatischem, metastasiertem (nicht viszeralen), kastrationsresistentem Prostatakarzinoms bei erwachsenen Männern, bei denen eine Chemotherapie noch nicht klinisch angewendet war.

Provenge ist eine autologe zelluläre Immuntherapie, eine Sonderform der Eigenbluttherapie, bei der jede Dosis für jeden einzelnen Patienten hergestellt werden muß.

Provenge, Sipuleucel-T wird von Biotechnology Unternehmen Dendreon produziert,  Dendreon Corporation (NASDAQ: DNDN).

Behandlung mit Provenge

Aus dem Blut von Prostatakrebs Patienten werden die Abwehrzellen Monozyten  per Leukapherese („Blutwäsche“) isoliert und mit dem Protein PA2024 vermischt. Die Inkubationszeit dauert 40 Stunden.

Anschließend wird Infusionslösung Ringer-Lactat-Lösung in entsprechenden Volumen dazu gegeben.

PA2024 besteht aus dem Enzym prostataspezifischer saurer Phosphatase (engl. prostatic acid phosphatase, PAP), das mit humanem Glykoprotein GM-CSF (engl. granulocyte macrophage colony-stimulating factor) verbunden ist. PAP ist dabei das Tumorantigen. PA2024 kommt ausschließlich auf der Oberfläche der Krebszellen vor.

Provenge, Sipuleucel-T  wird dem Patienten ambulant in 3 Dosen in Abständen von 2 Wochen verabreicht. Eine intravenöse Infusion dauert  um die 60 Minuten.

Sipuleucel-T aktiviert die T-Zellen im Körper, welche sich schnell verbreiten und ca. 95 Prozent der malignen Prostatazellen attackieren. Gesunde Zellen werden dabei kaum angegriffen,

In der Immunotherapy for Prostate AdenoCarcinoma Treatment ( IMPACT)-Studie hatte Sipuleucel-T die Überlebenszeit von 21,7 auf 25,8 Monate verlängert. Der Impfstoff kann das Krebsleiden in dem fortgeschrittenen Stadium also nicht heilen.

Der Überlebensvorteil ggü. der Placebogruppe beträgt 4,1 Monate MEDIAN. Das ist doppelt so viel wie bei einer Chemotherapie.
Die Verträglichkeit scheint gut zu sein, und die Produktionskapazität ist schwer zu abschätzen.

Kein belegter zusätzlicher Nutzen von Provenge

04.01.2015: Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) konnte in seiner Überprüfung der zur Verfügung gestellten Studiendaten keinen belegten zusätzlichen Nutzen von Provenge bei Männern mit metastasierendem Prostatakrebs ohne oder mit wenig Beschwerden (und ohne chemotherapeutisch behandelt worden zu sein) im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichsbehandlung (abwartendes Vorgehen bei bestehender konventioneller Androgendeprivation oder nichtsteroidales Antiandrogenmedikament (Flutamid, Bicalutamid) oder Abirateronacetat bei Androgendeprivation) finden.

Laut IQWiG sind die Studiendaten zur Mortalität nicht für eine Nutzenanalyse verwertbar (Differenzen zwischen den Behandlungsarmen könnten aufgrund der Folgetherapieeffekte aufgetreten sein). Einige Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Fieber traten in der Sipuleucel-T-Gruppe häufiger auf.

Provenge, Sipuleucel-T Kosten

Die Behandlungskosten sind sehr hoch.
Die bisher bekannte Kosten von Sipuleucel-T, liegen laut Studie durchschnittlich bei 23 000 US$ pro „gewonnenem“ Monat.

Provenage ist zurzeit in Deutschland nicht erhältlich !

Nebenwirkungen:

Treten bei ca. 3.5 % der Patienten auf. An häufigsten sind akute Infusionsreaktionen  wie Schüttelfrost, Abgeschlagenheit, Rückenschmerzen, Übelkeit, Knochenschmerz und Kopfschmerzen.

Um die akuten Nebenwirkungen zu vermeiden wird empfohlen 30 Minuten vor der Verabreichung eine Prämedikation mit Acetaminophen und einem Antihistamin durchzuführen.

Quelle: dendreon.com

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17 Kommentare

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,
    auf der Homepage des AKH Wien wird diese Therapieform aktuell noch immer erwähnt. Wir schreiben jetzt bald das Jahr 2020 und es gab schon sehr lange keine Kommentare auf dieser Seite. Gibt es neue Erkenntnisse oder ist dieser Forschungszweig bereits eigefroren?

    • Hallo,
      diese Therapie hat sehr starke Nebenwirkungen verursacht und hat nur geringe Lebensverlängerung bewirkt. Inzwischen geht die Forschung bei Prostatakrebs und Immuntherapie neue Wege. Meiste sind aber wenig wirksam. Einige Männer, ca. 11%, profitieren von Medikamenten, die bei Brustkrebs bei BRCA Mutationen wirken.
      In Tübingen wird jetzt ein neues Medikament für Immuntherapie entwickelt, das hoffentlich mehr Wirkung zeigt, der bispezifischen Antikörper CC-1.

      Hier finden Sie mehr Informationen: https://prostatakrebs-tipps.de/behandlung/immuntherapie-prostatakrebs-t-zellen/

  2. Jacek diese Seite ist ein Fiasko!
    Eine mögliche Ablehnung von Sipuleucel-t (Provenge) durch G-BA postest du sofort, das Endergebnis nicht!
    Wertneutrale Information sieht ganz anders aus.

    Germany’s cost watchdog decides Valeant’s Provenge has added benefit after all

    In January, Germany’s cost watchdog decided that Dendreon’s–now Valeant’s–Provenge had no added benefit for men with metastatic prostate cancer. But now, it’s changing its tune.

    After reviewing some new data from Dendreon, Germany’s Institute for Quality and Efficiency in Health Care (IQWiG) has reversed its conclusion in an addendum, saying the drug does have an indication of added benefit.

    However, the institute said in a statement that the added benefit can’t be quantified. The G-BA, or the Federal Joint Committee–of physicians, dentists, hospitals and health insurance funds in Germany–will use the dossier compiled by IQWiG in its assessment of Provenge to make a final decision on the extent of this added benefit. The G-BA has the final word on pricing for the vaccine…….

    Dendreon wurde an Valeant Pharmaceitics verkauft, Sipuleucel-t (Provenge) wird über Valeant vertrieben.

  3. Sehr geehrter Herr Hund,

    der letzte Beitrag in dieser hoch interessanten Unterhaltung ist jetzt mehr als 1 Jahr alt.
    Sie hatten geschrieben, dass Behandlung mit Sipuleucel in Europa/Deutschland wahrscheinlich ab 4. Quartal 2014 möglich sein wird.
    Was ist denn jetzt Ende 2014 die Situation?
    Freundliche Grüssse
    K. Abend

    • Sehr geehrter Herr Abend,
      zwischenzeitlich ist sehr viel passiert.
      1. Das Unternehmen Dendreon musste Chapter11 anmelden, das bedeutet Gläubigerschutz.
      2. Die Zulassung in D ist durch die EMA bestätig, jedoch hat die G-BA weiteren Klärungsbedarf bzgl. der Kostenübernahme.
      3. Der erste Patient in D wurde behandelt, ich stelle mal den Auszug und einen Link ein.

      “It is a privilege to be the first institution in the EU using a pioneering therapy like PROVENGE to treat advanced prostate cancer,” said Axel Heidenreich, MD, Uniklinik RWTH Aachen, Klinik for Urologie, Aachen, Germany. “The availability of PROVENGE in Europe gives physicians a brand-new way to fight this difficult-to-treat disease and may extend the lives of patients, who currently have limited effective therapies available.”
      http://www.streetinsider.com/Earnings/Dendreon+%28DNDNQ%29+Exceeded+Revenue+Guidance+for+First+Time+Ever+in+Q4/10163641.html

      Bitte beachten Sie das es bei diesem Link in erster Linie um die Aktie und das Unternehmen Dendreon geht.

      4. Die Herstellung und der Vertrieb von Provenge laufen weiter, Dendreon (oder der Käufer der Firma) muss der G-BA die entsprechenden Dokumentationen zu den Studien nachreichen. Werden diese von der G-BA akzeptiert (die EMA hatte kein Problem), sollte die Kostenübernahme folgen.

      PS: Anhand des Links kann man auch sehen wie schwer es für ein kleineres Pharmaunternehmen ist, sich gegen Lobbyisten, Konkurrenten und Behörden durchzusetzen. Da spielt es keine Rolle wie gut eine Therapie ist, reicht das Geld nicht übernimmt es ein anderer.

      Gruß
      Günther Hund

  4. ASCO 2014
    Abstract:

    Background: The results of the IMPACT trial demonstrated that immunotherapy as monotherapy is not sufficient enough to hinder or stop progression of mCRPC especially with high baseline PSA level. Therefore, the timing and sequencing of combination therapy is becoming of outmost importance for the treatment of these patients. As a result, our hypothesis has been to layer on enzalutamide very quickly after the completion of sipuleucel-T. Methods: We collected the data of 84 patients with chemo-naïve mCRPC treated with sipuleucel-T at our practice from September 2011 to January 2014. Prior to the initiation of treatment the baseline status was recorded in all patients. We then selected and analyzed outcomes of 19 patients who received sequential enzalutamide treatment off label after completion of sipuleucel-T with the average timing in 3.2±2.1 months. Results: The median time of enzalutamide therapy was 5.4 months (range: 1-13). In our cohort of 19 patients: 1 case showed radiographic full regression of metastatic lesions in bone, lung and lymph nodes. Another case showed radiographic full regression of bony metastatic lesions. 2 other cases – showed a partial regression radiographically of bony metastatic disease. 13 cases showed stable disease according to RECIST-criteria. The remaining 2 patients were deceased due to progression of mCRPC. The patients with full and partial response were in the lowest quartile of our cohort as defined as a PSA ≤ 3.87 ng/ml. On the contrary, all cases of progression and death were documented in highest (last) quartile as defined by a PSA level more than 84 ng/ml. Conclusions: Our experience demonstrates a promising effect using sequential sipuleucel-T immunotherapy followed by enzalutamide for mCRPC. To our knowledge this will be the first case of complete radiographic regression of lung, bone, and extensive lymph node disease.

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