Vergleich Hormonbehandlung bei Prostatakrebs

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Welche Hormonbehandlung wirkt besser?
Vergleich Antiandrogene und medizinische Kastration

 

Eine Therapie mit Antiandrogenen  ist weniger wirksam Hormontherapie, Hormonbehandlung als eine medizinische Kastration (Androgenablation) bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs

Hormontherapie oder Hormonbehandlung bei Prostatakrebs, wird auch als Anti-Hormontherapie oder Anti-Androgentherapie genannt. Androgene sind männliche Hormone, wobei das bekannteste Androgen ist Testosteron. Prostatakrebs braucht Testosteron für das eigene Wachstum als notwendigen Ernährungsstoff.

Es gibt zwei Wege das Wachstum hormonell zu beeinflussen:

  1. Mit antiandrogenen Therapie. werden die Andockstellen für Testosteron (Rezeptoren) blockieren. Durch den Überhang der Östrogene kann unter anderem eine unangenehme Schwellung der Brustdrüsen (Gynäkomastie) mit Spannungsgefühl auftreten.
    Die bekannteste nichtsteroidale Antiandrogene sind Flutamid und Bicalutamid (Wirkstoff Casodex).
  2. Unterdrückung der Produktion von Testosteron, Androgenablation, medizinische Kastration: Medikamente werden je 3 Monate oder monatlich (selten) unter die Haut in den Bauch gespritzt. Die Behandlung ist mit belastenden Nebenwirkungen verbunden.

Ein Vergleich den beiden Behandlungsmethoden wurde jetzt im „BJU International“ publiziert, auf Basis von Cochrane Review published in the Cochrane Database of Systematic Reviews (CDSR) 2014, Issue 6.

In die Analyse wurden elf randomisierte kontrollierte Studien untersucht. Alle 3060 Teilnehmer waren an Prostatakrebs in fortgeschrittenen Stadien erkrankt.

Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakarzinom gewinnen dadurch aber mehr Lebenszeit als durch eine Monotherapie mit nichtsteroidalen Antiandrogenen.

In sechs Studien erfasste das Gesamtüberleben war signifikant verkürzt, wenn nicht die Testosteron Konzentration gesenkt, sondern lediglich Rezeptoren blockiert worden waren.

Patienten die nur mit Antiandrogenen (Bicalutamid, Flutamid) behandelt wurden hatten in der Nachbeobachtungszeit von bis zu sechs Jahren eine um 24% höhere Mortalität.

In einer Subgruppenanalyse (drei Studien) bestätigte sich dieser Unterschied bei Patienten mit metastasierten Karzinomen.
Bei Patienten ohne Metastasen war das Gesamtüberleben bei beiden Behandlungsmethoden ähnlich lang.

Unter den Antiandrogenen wurde nach einem Jahr, nach 70 Wochen und nach zwei Jahren signifikant häufiger eine klinische Progression festgestellt, kam es auch häufiger zu einem Therapieversagen. Gegenüber den anderen Verfahren war das relative Risiko (RR) um 25%, 26% bzw. 14% erhöht.  

Eine Behandlung mit nichtsteroidalen Antiandrogenen wurde außerdem wegen starken Nebenwirkungen häufiger abgebrochen; gegenüber der Androgenablation war die Quote um 82% erhöht.
Die häufigste Ursache für den Abbruch waren insbesondere Brustschmerzen und Gynäkomastie. Unter den Vergleichstherapien traten häufiger auf.

Fazit

Eine Monotherapie mit nichtsteroidalen Antiandrogenen anstelle einer medizinischen oder chirurgischen Kastration bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs ist weniger wirksam im Hinblick auf Gesamtüberleben, klinische Progression, Therapieversagen und nebenwirkungsbedingte Behandlungsabbrüche.

Besonders ausgeprägt sind diese Unterschiede bei Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom.

Quelle: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/bju.13026/abstract

 

!!!  Zusatzinfo:
Durch neue therapeutische Versuche entsteht bei den Forschern der Verdacht, dass die Antiandrogene (wie Flutamide, Bicalutamide oder Enzalutamide) unumkehrbare Mutationen der Krebszellen auslösen/ausselektieren. Deswegen kann es sinnvoll sein die Behandlung zuerst mit Unterdrückung der Testosteronproduktion zu führen, bis die medikamentöse Testosteronunterdrückung nicht mehr wirkt.
Auf Antiandrogene erst nach Versagen der Testosteronunterdrückung (einschließlich Zytiga) zu wechseln.

 

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5 Kommentare

  1. Ich erhalte derzeit die maximale Androgenblockade. Bicalutamid 150 wurde nach 4 Wochen mit Profact (Buserelin) ergänzt. Nun habe ich gelesen, dass bei dieser Kombination Bicalutamid 50 gegeben werden sollte. Bekomme ich da gerade eine Überdosis? Mein Urologe ist im Urlaub… Jetzt beginnt außerdem die perkutane Bestrahlung.

    • In Anfangspfase sind 150mg viel besser, da Profact kurzfristig zur Therapiebeginn den Anstieg von Testosteron verursacht.

      Nein, Sie bekommen keine Überdosis. 150mg Bicalutamid wirken besser, da aber bei der maximalen Androgenblockade nach Leitlinien 50mg ausreichend sind, werden meistens aus Kostengründen die 50mg verschrieben.

  2. Dieter Krämer

    Hallo, ich stehe in einem Zwiespalt und weis nicht weiter. Mein Urologe hat mir Bicalutamidmedal 150 mg
    verordnet mit den vielen möglichen Nebenwirkungen !?
    Mein PSA-Wert liegt über 50 und bin 81 Jahre. Ohne eine weitere Untersuchung soll ich dieses Medikament
    nehmen. Der Verdacht auf Metastasen sei sehr hoch ?
    Schmerzen oder ähnliches habe ich nicht. Was soll ich tun?

    • Die Frage ist, ob der PSA-Wert wächst, oder bleibt stabil bei 50. Ich würde es mit Abstand von 3 Monaten prüfen.

      Wenn der PSA-Wert steigt, ich finde es ist für Sie die beste Lösung mit dem Bicalutamid 150 mg zu anfangen.
      Anschließend können Sie versuchen auf 3-Monatsspritze zu umsteigen.

      Die Nebenwirkungen sind von Mann zu Mann unterschiedlich. Bei mir wirkt Bicalutamid sehr negativ auf meine Psyche, andere vertragen ihn gut.
      Ich selbe nehme kein Bicalutamid mehr, aber die 3-Monatsspritze mit Trenantone. Zu den stärksten Nebenwirkungen gehört bei mir das Schwitzen und Gewichtszunahme.

      Wenn Sie sich untersuchen möchten, würde ich eine PET-CT empfehlen, da werden auch die meiste Metastasen sichtbar.

      Versuchen Sie auch Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe zu aufnehmen.

  3. Karlheinz WALTER

    Sie leisten eine hervorragende Arbeit. Bei Ihren Berichte kann man sehen, was Urologen für Fehler
    bezw. Unterlassungen machen. Ich wünsche, dass Sie
    lange erfolgreich bei Ihrer Behandlung sein werden.
    Die Berichte haben mir viel geholfen. Danke!!!!!!!!!
    Mit freudlichen Gruß
    K. Walter

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