Neue Empfehlungen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs

Last Updated on 19. Juli 2020 by Jacek

Neue Therapieempfehlungen bei fortgeschrittenem Prostatakrebs

 

Ergebnisse der Prostatakrebs-Konferenz: Advanced Prostate Cancer Consensus Conference (APCCC) 2015 in St. Gallen

In der Schweiz in St. Gallenhaben haben sich im März 2015  41-Tumor-Experten zu einer Konsensuskonferenz getroffen. Herausgekommen sind zum Teil recht kontroverse Empfehlungen zur Therapie bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom.

In den vergangenen Jahren sind einige neue Präparate zur Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem Prostata-Ca. auf den Markt gekommen. Deren Anwendung wird in vielen Leitlinien und Therapie-Algorithmen noch nicht berücksichtigt. Aus diesem Grund haben sich 41 Prostatakrebs-Experten aus 17 Ländern vor kurzem zur Advanced Prostate Cancer Consensus Conference (APCCC) in St. Gallen getroffen und dabei über einige strittige Punkte zur Therapie und zum Management von betroffenen Männern diskutiert. Einige der Ergebnisse: 

Kastrationsnaive metastatische Tumoren:

Die meisten der Experten sprachen sich für den Begriff „kastrationsnaiv“ statt „hormonsensitiv“oder „kastrationssensitiv“ aus. Bei sinkenden PSA-Werten (unter 4 ng/ml nach etwa sechs Monaten) plädieren 71% der Experten für einen intermittierenden statt kontinuierlichen Androgenentzug. Eine Kombitherapie zur kompletten Androgenblockade empfahl nur die Hälfte der Experten, 35% sahen eine solche Blockade bei einer Minderheit für gerechtfertigt, 15% bei der Mehrheit. 89% der Experten sprachen sich auch für eine Kombitherapie mit Docetaxel bei hohem Tumorvolumen aus, die Hälfte aller Experten bei der Mehrheit, 39% bei einer Minderheit der Patienten. Drei Viertel der Panelmitglieder sahen aber keinen Bedarf für Docetaxel bei niedrigvoluminösen Erkrankungen. 

Nichtmetastatische kastrationsresistente Tumoren:

Für die Diagnose eines M0-Tumors reicht es nach Auffassung von 77% der Experten, wenn das CT (Thorax, Abdomen, Pelvis) und zugleich die Knochenszintigrafie negativ sind. 84% der Panelmitglieder würden bei steigenden PSA-Werten auch Androgenmodulatoren wie Abirateron oder Enzalutamid einsetzen, obwohl es zum Nutzen (Gesamtüberleben) in dieser Situation kaum Belege gibt. 3% sprechen sich für Sipuleucel-T aus, 13% für keine weitere Therapie zusätzlich zum Androgenentzug. 

Metastatische kastrationsresistente Tumoren, First-line-Therapie:

Bei ansonsten gesunden, asymptomatischen oder minimal symptomatischen Patienten empfehlen 88% der Experten eine First-Line-Therapie mit Abirateron oder Enzalutamid bei der Mehrheit der Patienten, 6% bei einer Minderheit, die übrigen 6% wollen diese Medikamente hier überhaupt nicht verwenden. Eine Chemotherapie kann sich bei diesen Patienten knapp die Hälfte der Experten vorstellen, die meisten davon allerdings nur bei einer ausgewählten Minderheit. Sipuleucel-T kommt in dieser Situation für etwas mehr als die Hälfte der Experten infrage (56%), rund ein Viertel kann sich dieses Medikament first-line bei der Mehrheit der Betroffenen vorstellen.

Bei symptomatischen Patienten ohne viszerale Metastasen halten zwei Drittel eine Behandlung mit Radium-223 für geeignet, dies jedoch nur bei einer Minderheit. 91% sehen eine Chemotherapie (in der Regel Taxan-basiert) als First-line-Option, 41% empfehlen sie der Mehrheit der symptomatischen Patienten. 

Metastatische kastrationsresistente Tumoren, Second-line-Therapie:

Nach einer First-line-Therapie mit Docetaxel können sich zwei Drittel des Panels auch eine Therapie mit Cabazitaxel vorstellen, die meisten (57%) jedoch nur bei ausgewählten Patienten. Für die meisten Experten (53%) kommt nach einer First-line-Therapie mit Abirateron oder Enzalutamid keine Second-line-Therapie mit einem dieser Medikamente infrage, wenn sie eine primäre Therapieresistenz feststellen (kein PSA-Abfall, keine radiologische und klinische Verbesserung). Immerhin 41% können sich aber eine solche Therapie in dieser Situation bei einer Minderheit der Betroffenen vorstellen. Sprechen Patienten auf eine First-line-Therapie mit Abirateron oder Enzalutamid zunächst an und kommt es dann zu einer Progression, so schließen nur 23% den weiteren Einsatz einer der beiden Substanzen aus, 53% aller Panelmitglieder können sich eine Second-line-Therapie damit noch bei einer Minderheit der Männer vorstellen.

Quelle: springermedizin.de basierend auf: Gillessen S et al. Management of patients with advanced prostate cancer: Recommendations of the St.Gallen Advanced Prostate Cancer Consensus Conference (APCCC) 2015. Ann Oncol 2015: online 3. Juni. doi: 10.1093/annonc/mdv257.

 

bitte Teilen

Über Jacek

Ich bin Jacek, in 2 Selbsthilfegruppen: Ostfildern und Bietigheim und Umgebung. Ich bin seit 2010 an Prostatakrebs erkrankt, operiert, Metastasen. Mehr über mein Prostatakrebs: https://myprostate.de/.
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

3 Kommentare

  1. Dr. H.-P. Lange

    Was sind das denn für neue Therapieempfehllungen und was sind das für Experten ? Bestimmt nur Urologen und Onkologen, immer schön Leitlinien orientiert, die sind für mich und ich bin selbst Arzt und Betroffener Prostata Ca Gleason Score 10 rückwärts orientiert und Urologen dominiert ! Kein Wort über PSMA Therapie, steht auch nicht in den Leitlinien drin, sorgen schon die Urologen für ! Neue Therapien werden an den Rand gedrängt, ich musste um meine PSMA Therapie kämpfen, bis ich sie heute endlich bekommen habe. Leute wacht endlich mal auf, ihr werdet alle verarscht, neue Therapieempfehllungen, die sind sich doch noch nicht einmal untereinander einig über ein Therapiregime. Dr. L.

    • Das sind die Ergebnisse einer Prostatakrebs-Konferenz von März 2015, nicht aktuelle

      • Dr. H.-P. Lange

        Hallo Jacekw, finde deine Seite gut, aber liest Du nicht die Kritik die ich am praktizierten System Iinsbesondere an den Leitlinien anbringe. Du musst viel kritischer sein, ich sage das als Arzt und Betroffener. Die PSMA Therapie ist noch viel zu unbekannt. Es wird noch viel zu viel antihormonelle Therapie verordnet und es bleiben zu viel Kranke unversorgt, bekommen ihre Therapie z. B. PSMA viel zu spät oder garnicht ! Mit freundlichen Grüßen Dr. Lange. Habe jetzt meine 1. PSMA in Münster bekommen, etwa 1 Jahr nach Diagnosestellung, musste hart für kämpfen, bes. gegen die Etablierten sprich Urologen, Radioonkologen und anderen bis auf die Nuklearmediziner. Stoß doch mal eine Diskussion an !

Kommentare sind geschlossen