Bipolare androgene Therapie

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Bipolare androgene Therapie, Testosteron Schocktherapie beim Prostatakrebs

 Prostatakrebs Schocktherapie

Bipolare androgene Therapie, Testosteron Schocktherapie beim kastrationsresistenten Prostakrebs: danach eine antiandrogene  Behandlung wieder  ansprach

Bei Männern mit fortgeschrittenem Prostatakrebs, bei denen der Tumor schon in andere Organe gestreut hat, wird als Standardtherapie eine medikamentöse Kastration durchgeführt.

Den Tumorzellen wird das männliche Sexualhormon Testosteron entzogen, das diese für ihr Wachstum benötigen. Die Nebenwirkungen sind Impotenz sowie Muskel- und Knochenschwund.

Leider kommt es dazu, dass bei allen Männern im Durchschnitt nach 20 Monaten der Tumor nach Testosteron-Entzug wieder zu wachsen beginnt.
Die Ärzte sprechen dann von einem kastrationsresistenten Prostatakarzinom.

Bipolare androgene Therapie

Es gibt möglicherweise einen Ausweg aus dieser Resistenzfalle.

Amerikanische Wissenschaftler haben nach jahrelanger Grundlagenforschung in einer kleinen Pilotstudie herausgefunden, dass wenn man die resistente Prostatakrebszellen mit unnatürlich viel Testosteron versetzt, unerwartet sterben viele Zellen ab statt sich schneller zu vermehren.

 Die Forschergruppe von Michael Schweizer und Samuel Denmeade von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore, Maryland haben bei 16 Patienten einen neuartigen Behandlungsansatz angewendet, der als bipolare androgene Therapie bezeichnet wird.

 Es ist bekannt, dass Prostatakrebszellen sich gegen den Testosteron-Entzug wehren und als Erstes vermehren sie die Zahl der Testosteron-Rezeptoren, um die verbleibenden Hormonmoleküle besser zu abfangen.

Dieses Testosteron stammt aus der Nebenniere. Mit Medikamenten wie Bicalutamid lässt sich das Andocken von Testosteron an den Zellrezeptor blockieren. Auch darauf hat der Tumor eine Antwort: er produziert vermehrt defekte Testosteron-Rezeptoren, die auch ohne das Hormon ihre Signalfunktion in der Zelle wahrnehmen können.

Die amerikanische Forscher haben in Experimenten beobachtet, dass kastrationsresistente Krebszellen können nur schlecht mit einem Überangebot an Testosteron umgehen: Ihre zelluläre Vermehrungsmaschinerie wird durch das angehäufte und zu wenig schnell abgebaute Sexualhormon regelrecht blockiert – und die Zelle stirbt ab.

Dieser im Labor beobachtete Mechanismus haben sie auch bei 16 lebenden Prostatakrebs-Patienten getestet.
Bei allen Männern lag ein metastasierter und kastrationsresistenter Tumor vor. Deshalb waren sie schon mit der üblichen Testosteron-Entzugstherapie behandelt worden; diese wurde während der Studie unverändert weitergeführt.
Zusätzlich dazu bekamen die Männer alle 28 Tage hochdosiertes Testosteron in den Muskel gespritzt, in einer Dosis, die für andere Anwendungen zugelassen ist: Testosteron-Cypionat 400 mg + etoposide 100 mg täglich oral.

Damit erzielten die Ärzte bei den Patienten einen unnatürlich hohen Testosteronspiegel im Blut. Dieser Effekt hielt aber nur wenige Tage an, danach sank der Hormonwert wieder auf das bei Kastrierten übliche Niveau ab. Die nächste Testosteron Spritze brachte einen Monat später einen erneuten Androgen Anstieg. Dies haben sie in einem monatlichen Zyklus wiederholt.

Dieser monatlichen zyklische Wechsel zwischen sehr hoher und sehr tiefer Testosteron-Konzentration bekam ihren Namen: „bipolare androgene Therapie“.

Diese rasch wechselnde Testosteronmenge soll dafür sorgen, dass den Krebszellen keine Zeit bleibt, um ihre durch den Hormonentzug ausgelösten Ausgleichsmaßnahmen wieder rückgängig zu machen.
Denn so wie sie sich die Prostatakrebszellen an einen Testosteronmangel anpassen können, ist auch eine Adaptation an eine Testosteron-Schocktherapie möglich.

Ergebnisse der bipolaren Therapie

Von den 16 Patienten beendeten 14 die geplanten drei Behandlungszyklen. Ein Mann musste die Therapie wegen einer testosteronbedingten schmerzhaften Dauererektion abbrechen, ein anderer wegen einer schweren Lungenentzündung.

Bei 7 der 14 getesteten Patienten konnten die Forscher einen günstigen Effekt auf das Tumorwachstum nachweisen. Dies zeigte sich an einem Absinken des sogenannten prostataspezifischen Antigens im Blut (PSA-Wert). Bei 5 von 10 Patienten ließ sich der Tumorrückgang radiologisch dokumentieren.

Bei 4 Männern konnte die bipolare Therapie über ein Jahr lang durchgeführt werden, bevor auch bei ihnen – wie bei allen Patienten der Studie – der PSA-Wert als Zeichen eines erneuten Tumorwachstums wieder anstieg.

Das wichtigste Resultat der kleinen Studie ist: Bei 10 von 10 Patienten führte die bipolare Therapie dazu, dass ihr Krebs wieder auf die antiandrogenen Medikamente ansprach, gegen die er zuvor eine Resistenz entwickelt hatte.

Auch für die Onkologen vom Kantonsspital St. Gallen war dieses Ergebnis überraschend. beeindruckend. Er sei allerdings bekannt, dass auch Therapiepausen die Ansprechrate der antiandrogenen Medikamente erhöhen könnten.

 

Weitere Nachfolgestudien laufen schon

Wie Michael Schweizer schreibt, sind in den USA drei Nachfolgestudien bei fortgeschrittenem Prostatakrebs am Laufen.

Bei einer wird die bipolare Testosteron-Therapie etwa im direkten Vergleich mit einem neuen Antiandrogen Enzalutamid getestet.

Quelle:  Science Translational Medicine, Online-Publikation vom 7. Januar 2015.

 

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